Sachverständige für Schäden an Gebäuden & Bauphysik

Hochleistungsdämmstoffe

16. September 2013

Was sind Hochleistungsdämmstoffe?

Unter Hochleistungsdämmstoffen werden Dämmmaterialien verstanden, deren Wärmedämmvermögen um etwa Faktor 3 bis 10 besser ist, als das von handelsüblichen Dämmstoffen wie Polystyrol, PU-Hartschaum oder Mineralfaserdämmstoffen. Deren Wärmeleitfähigkeit Lambda liegt zwischen 35 und 45 [mW/(m*K)]. Schäume aus PU-Kunstharzen erreichen Lambda-Werte von 30 bis 35 [mW/(m*K)].

Relativ neu und um ca. Faktor 1,5 besser sind Dämmplatten aus geschäumtem Phenolharz. Die zur Zeit nur in Großbritannien hergestellten Dämmplatten erreichen Lambda-Werte von 23 bis 25 [mW/(m*K)].

Eine Verbesserung um Faktor 3 bis 4 realisieren Dämmstoffe aus Aerogel. Dies sind hochporöse Festkörper aus Silikaten, deren Volumen zu ca. 95% aus Poren besteht. 1 cm³ Aerogel hat eine Porenoberfläche von ca. 2 m². Innerhalb der winzigen Poren mit Durchmessern im Nano-Bereich wird die Brownsche Bewegung der Luftmoleküle stark reduziert.

Aerogele werden für die Verwendung im Bau in Form von Matten hergestellt. Sie sind flexibel einsetzbar, liegen im Preis jedoch noch deutlich über den “normalen” Dämmstoffen. Aufgrund ihres geringen Raumbedarfs und ihrer sehr geringen Wärmeleitfähigkeit von Lambda = 13 [mW/(m*K)] sind sie besonders für Details geeignet, an welchen für eine (nachträgliche) Dämmung wenig Platz vorhanden ist.
Vergleich zweier Dämmstoffe
zwei Dämmstoffe mit gleicher Dämmwirkung:
oben Dämmmatte aus Aerogel,
unten Polystyrol-Dämmplatte WLG 040

Die Spitzenreiter unter den Hochleistungsdämmstoffen sind die Vakuumisolationspaneele (“VIP”). Mit einer Wärmeleitfähigkeit Lambda zwischen 4 und 8 [mW/(mK)] sind sie um Faktor 5 bis 10 besser als handelsübliche Dämmstoffe. Sie bestehen aus einem offenporigen, festen Kernmaterial, in dem ein annäherndes Vakuum erzeugt wird. Der Kern ist von einer so genannten Hochbarrierefolie umhüllt, welche nach dem Evakuieren verschweißt oder verklebt wird. In der Optik haben VIPs daher Ähnlichkeit mit Kaffee in Vakuumverpackung.
VIP des Herstellers va-Q-tec AG
VIP des Herstellers va-Q-tec AG
(Quelle: www.va-q-tec.de)

Da VIPs nicht nachträglich vor Ort auf Maß zugeschnitten werden können, müssen sie vorkonfektioniert hergestellt werden. Vor Ort ist eine äußerst sorgfältige Verarbeitung erforderlich, da bereits kleinste Beschädigungen der Hochbarrierefolie zur Zerstörung des wärmedämmenden Vakuums führen. Das Einsatzgebiet der VIPs am Bau entwickelt sich daher gegenwärtig in Richtung elementierter Bauweisen (z.B. Sandwichelemente) und Fertigteilkonstruktionen. Für die nachträgliche Sanierung von Wärmebrücken sind VIPs nur sehr eingeschränkt einsetzbar. Anwendungen an Fassaden im großflächigen Maßstab stehen zudem der noch sehr hohe Preis und die relativ schlechte CO2-Bilanz entgegen.

Weiterführende Informationen

Hersteller von Vakuum-Isolations-Paneelen (VIP)
Va-Q-Tec AG
Variotec GmbH & Co. KG

Institut für Forschung und Entwicklung hocheffizienter Energieanwendung
Passivhaus Institut Darmstadt

Rund um die Entwicklung von VIPs
VIP-BAU-Portal

© Henry Pfeifer