Sachverständige für Schäden an Gebäuden & Bauphysik

Horizontalabdichtung mit Injektion – Herangehensweise

27. September 2013

Trockenlegungen von Kellermauerwerk durch Horizontale Abdichtungen mit Injektionsmitteln sind aus Kostengründen häufig die erste Wahl. Andererseits lässt die bauliche Situation (verwinkelte Wände, Gebäudeecken, Durchmischung von Ziegeln mit Naturstein u.ä.) in manchen Fällen auch gar kein anderes Verfahren zu.

Die Vereinheitlichung von Vorgehensweisen nach WTA-Merkblättern steht zwischenzeitlich jedoch im Verdacht, mitverantwortlich dafür zu sein, dass Injektionsabdichtungen im Nachhinein nicht funktionieren. Einheitliche Lochabstände gewährleisten nicht zwingend, dass sich ein Injektionsmittel im gesamten Wandquerschnitt ausbreitet, und eine gedankenlose Injektage an beliebig feuchtem Mauerwerk wird nicht immer funktionieren, weil bei einem Durchfeuchtungsgrad ≥ 90% eine kapillare Ausbreitung des Injektionsmittels kaum noch möglich ist.

Entsprechende Aktualisierungen in Normen und Richtlinien sind in Arbeit. Grundsätzlich wird jedoch folgende Herangehensweise empfohlen:

professionelle Bauzustandsanalyse

– Herkunft der Feuchtigkeit?
– Abmessungen der betroffenen Bereiche?
– raumklimatische Einflüsse?
– bereits vorhandene Abdichtungen?
– …

professionelle Mauerwerksdiagnose

– Art des Mauerwerks (Steine, Mörtelgemisch)?
– Festigkeit / Salzgehalt / Porengrößen?
– Homogenität?
– Durchfeuchtungsgrad?
– …

Wahl des geeigneten Injektionsverfahrens und -mittels

– Einbringung drucklos oder unter Druck?
– beste Wirkungsweise des Injektionsmittels?
– beste Viskosität des Injektionsmittels?
– …

Planung, Kosten, Kontrolle

Aus vorgenannten Prüfschritten ergibt sich, dass eine fachgerechte Planung Bestandteil der Sanierung sein muss. Insofern gehören auch die Kosten für die Voruntersuchungen mit zu den Sanierungskosten. Ein Bauherr, der das zu akzeptieren nicht bereit ist, läuft Gefahr, eine Abdichtung zu erhalten, welche nur zufällig oder gar nicht funktioniert. Als Planer sollte man ggf. von einem solchen Auftrag absehen, weil ein Sanierungserfolg nicht sicher ist. Gleiches gilt für den Ausführenden: ohne die Gewissheit, dass im Vorfeld die baudiagnostischen Untersuchungen erfolgt sind, steigt das Risiko der Haftung durch Gewährleistung wesentlich und zudem in unkalkulierbarer Weise, weil sich ein Abtrocknungserfolg mitunter erst nach langer Zeit einstellt.

© Henry Pfeifer