Sachverständige für Schäden an Gebäuden & Bauphysik

Raumklima – Erläuterungen und Grenzwerte

16. September 2013

Die wichtigsten Parameter des Raumklimas sind die Lufttemperatur bzw. Raumtemperatur, und die Luftfeuchtigkeit, welche als “relative Luftfeuchtigkeit” (“rel. LF”) gemessen und angegeben wird.

Die relative Luftfeuchtigkeit entspricht dem Verhältnis der Wasser(dampf)menge, welche sich in einem bestimmten Luftvolumen tatsächlich befindet, zu der Wasser(dampf)menge, welche dieses Volumen maximal aufnehmen kann. Sie wird einheitenlos mit “%” angegeben.

Zwischen Lufttemperatur und relativer Luftfeuchtigkeit besteht eine Wechselbeziehung. Ein Luftvolumen mit einer bestimmten Temperatur kann nur eine begrenzte Menge Wasser in gelöster Form als Dampf aufnehmen. In 1 m³ Luft mit einer Temperatur von z.B. 20°C passen maximal 17,3 Gramm Wasser. Die relative Luftfeuchtigkeit beträgt in dem Fall 100%. Bei 50% relativer Luftfeuchtigkeit sind im gleichen Luftpaket nur 17,3 g x 50% = 8,65 g Wasser enthalten. Je höher die Lufttemperatur, um so mehr Wasser kann die Luft aufnehmen, und umgekehrt.

Neben Temperatur und Feuchtigkeit gibt es noch weitere Einflussgrößen für das Raumklima, wie z.B. den Gehalt an Sauerstoff und den Gehalt an neutralen oder gesundheitsschädlichen Gasen und Partikeln. Sie werden speziell dann überprüft, wenn die Vermutung besteht, dass eine Wohnung oder ein Arbeitsraum “krank macht”. Der Effekt ist auch bekannt unter der Bezeichnung “sick buildung”.

Gesundes Raumklima

In den verschiedenen Quellen der Fachliteratur wird der Wertebereich für ein gesundes Raumklima wie folgt beschrieben: Lufttemperatur zwischen 19°C und 22°C, Relative Luftfeuchtigkeit zwischen 40% und 60%.

Die Höhe der Raumtemperatur hat, neben dem Einfluss auf das Wohlbefinden, auch Einfluss auf die geistige Leistungsfähigkeit. Diese erreicht ihr Optimum bei einer Umgebungstemperatur von ca. 21°C. Dies ist insbesondere von Bedeutung für Büros und Arbeitsstätten.
Diagramm Raumtemperatur/Leistungsfähigkeit
Quelle: William Fisk / Olli Seppänen

Für Wohnräume sind Raumklimawerte nicht gesetzlich vorgeschrieben. Grundsätzlich steht es also jedem Menschen frei, das Raumklima dem persönlichen Wohlbefinden anzupassen. Wie dies im allgemeinen empfunden wird, zeigt ein Behaglichkeitsdiagramm.
Behaglichkeitsdiagramm
Für vergrößerte Ansicht bitte anklicken.

Für Berechnungen und für die Bewertung in Streitfällen dient das so genannte Normklima. Dieses wird bauphysikalischen Nachweisverfahren zugrunde gelegt und basiert auf den Werten Raumtemperatur = 20°C und relative Luftfeuchtigkeit = 50%.

Bei Abweichung von den Richtwerten für ein gesundes Raumklima treten vor allem bauphysikalische und hygienische Probleme in den Vordergrund. Häufigste Anlässe für Streit sind Kondensatbildung und Schimmel. Eine Gefährdung für Schimmelbefall besteht ab einer relativen Luftfeuchtigkeit von ca. 70% unmittelbar an der jeweiligen Oberfläche. Dieser Wert  an einer Oberfläche wird häufig bereits erreicht, wenn die Raumluft 60% relative Luftfeuchtigkeit enthält. Das ist der Wert, den im Raum aufgestellte Hygrometer anzeigen.

Raumklimamessungen

Der Einfluss des Raumklimas auf Gesundheit und Wohlbefinden wird häufig unterschätzt. Das äußert sich u.a. darin, was für Messgeräte im Allgemeinen in Wohnräumen zu finden sind. Sofern überhaupt vorhanden, überwiegen dabei Haarhygrometer, Wetterstationen aus dem Baumarkt und ähnliche Geräte. Diese mögen für das Aufzeigen von Tendenzen hilfreich sein, für die Untersuchung von Raumklimaproblemen reichen deren Genauigkeiten im Regelfall jedoch nicht.

Für Messungen und bauphysikalische Nachweise verwenden wir Messgeräte der höchsten Genauigkeitsklassen. Dies ist erforderlich, weil bereits kleine Abweichungen in den Messwerten großen Einfluss auf die Beurteilung haben können. Neben Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsmessgeräten kommen auch Geräte zum Aufspüren von Luftströmungen und zum Nachweis bestimmter Gase zum Einsatz.

Raumklima Langzeitmessung mit Auswertung
Raumklima-Langzeitmessung mit Auswertung, unter Einbeziehung des Außenklimas

Sehr hilfreich und bei Schimmel- und Tauwasserproblemen sehr zu empfehlen sind Langzeitmessungen. Diese werden mit Datenloggern durchgeführt, welche kontinuierlich über Tage bis Wochen die Raumklimadaten aufzeichnen. Aus den Diagrammen lassen sich mit entsprechender Sachkunde Informationen zu den Ursachen der untersuchten Probleme herauslesen.

weiterführende Informationen

Gesundheit und Umwelthygiene, Richtwerte für die Innenraumluft
Umweltbundesamt online

Gesünder Wohnen – aber wie ? Praktische Tipps für den Alltag
PDF anzeigen – Deutsch
PDF anzeigen – Englisch

Fogging – Schwarzer Staub
PDF anzeigen

© Henry Pfeifer